Auschwitzprojekt: intensive Vorbereitung auf das kommende Jahr

Exkursion nach Vogelsang und Pilotfahrt nach Auschwitz und Krakau

Unterwegs in Oświęcim: Ältere Teamerinnen und Teamer stellen die Sehenswürdigkeiten der Stadt vor.

Seit Beginn des Schuljahres bereiten sich 28 neue Teamerinnen und Teamer aus der Qualifikationsphase intensiv auf das kommende Jahr vor. Ziel ist es, die große Stufenfahrt der 10. Jahrgangsstufe nach Auschwitz und Krakau zu betreuen. Begleitet werden die neuen Teamerinnen und Teamer von erfahrenen Coaches, die dem Auschwitzprojekt der Schule bereits seit mehreren Jahren verbunden sind.

Angehende Teamerinnen und Teamer vor dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz I („Stammlager“).

Im Rahmen ihrer Vorbereitung führten die Adolfiner am 4.11. eine Exkursion zu unserem langjährigen Bildungspartner Vogelsang IP durch. An diesem „Täterort“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten auseinander.

Zentraler Baustein der Vorbereitung war die Pilotfahrt nach Auschwitz und Krakau, die vom 11. bis 15. November stattfand. Vor Ort besuchten die neuen Teamer die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau. Weitere Programmpunkte der Pilotfahrt stellten ein Z(w)eitzeugengespräch sowie Stadtführungen in Oświęcim und Krakau dar.

Text: Daniel Schirra | Fotos Pilotfahrt: Tim Herrmann | Fotos Vogelsang IP: Daniel Schirra

Die drei Teamerinnen Lilli Brinkmann, Laura Erben und Ida Kräuter (Q1) berichten von der Exkursion nach Vogelsang:

Fassungslosigkeit: Die Gruppe während der Besichtigung des ehemaligen KZs.

Am 4. November fand unsere eintägige Exkursion zur ehemaligen Ordensburg Vogelsang in der Eifel statt. Schülerinnen und Schüler der Q1 und Q2, die im kommenden Halbjahr als ausgebildete Teamer*innen die Jahrgangsstufenfahrt der 10er nach Auschwitz und Krakau begleiten wollen, bekamen hier die Möglichkeit, einen so genannten „Täterort“ der Nationalsozialisten zu besuchen. Das Areal gilt nach dem Parteitagsgelände in Nürnberg als die größte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland.

Nach der zweistündigen Fahrt nahmen wir an einer Geländeführung teil. Die Tour startete zunächst auf dem „Adlerplatz“ des Gebäudekomplexes, der nur teilweise original erhalten ist. Im Anschluss ging es in einem Rundgang über die Anlage, die zwischen 1936 und 1939 als Schulungs- und Ausbildungsstätte für den NSDAP-Führungskader diente.

„Der Fackelträger“: An dieser Stelle werden die Überheblichkeit und die Menschenverachtung des NS-Systems besonders deutlich.

Das gesamte Gelände besteht aus mehreren Ebenen, die nur mit Manneskraft und ohne moderne Baumaschinen errichtet worden waren, um die vermeintliche (körperliche) Überlegenheit der Nationalsozialisten zu demonstrieren.

Nach der allgemeinen Einführung in die Thematik folgte der Abstieg zum so genannten „Sonnenwendplatz“ mit einer fünf Meter hohen Sandsteinstatue, dem „Fackelträger“. Diese Statue sollte als Idealbild des „neuen deutschen Menschen“ dienen, der der nationalsozialistischen Ideologie entsprach.

Die nächste Station stellte der Sportplatz mit zugehöriger Laufbahn dar, auf dem die Auszubildenden unter anderem das Reiten lernten oder körperlich trainierten. Dort befindet sich ebenfalls das „Sportlerrelief“, das den vermeintlichen „Herrenmenschen“ beim Ausüben unterschiedlicher Sportarten zeigt. Die ideologisch-künstlerische Gestaltung der Szene oblag Willy Meller, der die krankhafte Ideologie der Nationalsozialisten in verschiedenen Plastiken darstellte. Die dargestellten Figuren sind bereits stark verwittert, jedoch werden sie in Zukunft nicht restauriert, sondern weiter sich selbst überlassen.

Ein wichtiger Kulturbaustein der Fahrt: Der Besuch des jüdischen Zentrums in Oświęcim.

Nach dem erneuten Aufstieg erreichten wir die Gemeinschaftshäuser der Auszubildenden: Jeweils 40 Männer kamen in einem der Häuser unter, die in zwei Schlafräume unterteilt waren. Heute stehen diese Gebäude leer, jedoch zeigen Originalfotos die damaligen Verhältnisse.

Ein letzter Stopp stellte das Wirtshaus dar, das zur Zeit des Nationalsozialismus extern verpachtet wurde und dessen Gestaltung an eine alte Burgschänke angelehnt war.

Die gesamte Anlage zeigt, wie die Auszubildenden des NS-Regimes, von denen die meisten später selbst zu Mördern und Tätern wurden, mit allen Mitteln und in allen Bereichen von der kranken Ideologie der Nationalsozialisten beeinflusst und geprägt wurden. Es ist sehr beklemmend zu sehen, wie an diesem Ort jungen Menschen menschenverachtenden Ideen eingetrichtert wurden, die zu einem Völkermord, der Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, führten.

Die nationalsozialistische Ideologie hat unermessliches Leid über die Welt und die Menschheit gebracht. Deshalb sind Erinnerungsorte wie die ehemalige Ordensburg Vogelsang und ihre Besichtigung besonders wichtig, um Aufklärungsarbeit zu leisten und um zu verhindern, dass sich etwas so unvorstellbar Schreckliches wiederholt.

Text: Ida Kräuter, Lilli Brinkmann, Laura Erben (Q1)

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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