Ein Blick in die Vergangenheit
LK Geschichte im Moerser Stadtarchiv
Im Rahmen des Unterrichts besuchte der Leistungskurs Geschichte von Herrn Schirra das Moerser Stadtarchiv. Ziel des Besuchs war es, tiefer in die Geschichte der Stadt Moers einzutauchen, neue Erkenntnisse für die anstehenden Facharbeiten zu gewinnen und die Arbeit von Archivarinnen und Archivaren kennenzulernen.
Zu Beginn wurden wir von der stellvertretenden Archivleiterin Frau Saam herzlich begrüßt. In einer kurzen Einführung erklärte sie uns die Aufgaben eines Archivs: Es sammelt, bewahrt und erschließt wichtige Dokumente, Urkunden, Fotos und Akten, die die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner erzählen.
Während unseres Rundgangs erhielten wir Einblick in verschiedene Räume, beginnend mit einem Raum, in dem Frau Saam uns Geburts-, Sterbe- sowie Heiratsurkunden zeigte. Besonders interessant war dabei, dass sich diese Urkunden von Jahrhundert zu Jahrhundert deutlich unterschieden. Anhand der Dokumente erkannten wir, wie die persönliche Freiheit der Menschen in den Jahren des Nationalsozialismus zunehmend eingeschränkt wurde. In dieser Zeit mussten immer mehr Nachweise erbracht werden, die auf den Urkunden vermerkt wurden. Waren die betroffenen Personen jüdischen Glaubens, wurde sogar die Geburtsurkunde verändert, um dies kenntlich zu machen.
Des Weiteren erfuhren wir, dass auch das Moerser Archiv eine lange und bewegte Geschichte hat. Durch Kriegshandlungen gingen dabei leider wichtige historische Quellen unwiederbringlich verloren.
Anschließend gingen wir in den nächsten Raum, in dem Bilder und Karten gelagert werden. Dort konnten wir sehen, wie sich die Stadt Moers im Laufe der Jahre veränderte. Einige große Veränderungen liegen dabei noch gar nicht so lange zurück, wie zum Beispiel die Zuschüttung der Unterführung am Königlichen Hof. Auch in diesem Raum wurde uns das Ausmaß des Zweiten Weltkrieges bewusst. Frau Saam zeigte uns eine Karte, auf der die Luftangriffe auf Moers während dieser Zeit dokumentiert waren.
Danach ging es für uns in den wohl spannendsten Raum des Archivs. Es handelt sich um eine Art Kühlraum, in dem die wichtigsten Quellen gelagert werden. Dieser Raum muss eine optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben, damit die Dokumente keinen Schaden nehmen. Unter diesen Quellen befindet sich auch das älteste noch erhaltene Dokument des Archivs: eine Stadtrechnung aus dem Jahr 1609.
In einem Archiv werden jedoch nicht nur Papierquellen aufbewahrt. Wir sahen auch Bilder auf Dias und alte Filmrollen, die ebenfalls in diesem Raum gelagert werden. Ein besonderes Highlight war, dass wir einige wichtige Quellen selbst in den Händen halten und untersuchen durften. Dabei erfuhren wir noch mehr darüber, wie sich die deutsche Schrift und Sprache im Laufe der Jahre verändert haben.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Besuch sehr spannend und lehrreich war. Wir haben nicht nur viel über unsere Stadt gelernt, sondern auch darüber, wie wichtig es ist, historische Quellen zu bewahren und zu erforschen. Ich glaube, viele von uns hätten nicht gedacht, dass Archive so lebendig und interessant sein können.
Text: Vivien Degner (Q1)
Foto: Daniel Schirra
— [Daniel Heisig-Pitzen]