Gemeinsam hoch hinaus: die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 beim Teamtraining in Duisburg.

Ein starkes Team – auch unter Coronabedingungen

Teamtraining für die Klassen 6

„Jaaaaaaa!!!“ schallt es mehrstimmig über das Gelände der Jugendherberge Duisburg-Wedau. 14 Sechstklässler recken die Arme in die Luft, liegen sich jubelnd in den Armen oder springen ausgelassen umher. Gerade hat das Team „Strandhafer“ gegen das Team „Windrose“ gewonnen im Spiel „Titanic“. Dabei geht es um die Rettung aus dem sinkenden Schiff mithilfe von Eisschollen, heute in Form von mobilen Platten der Größe 30x30 cm. Von denen stehen den beiden Teams nur jeweils sechs zur Verfügung, also ist wenig Platz auf den rettenden Fleckchen, und sobald eine Scholle unbewohnt im Wasser umherpaddelt, schnappen die Haie in Form der beiden Klassenlehrer Martin Schattenberg und Eva Redeker zu. Geht ein Schritt ins Leere, also ins Meer, erblinden die Schüler und kämpfen sich fortan mit Augenbinden zum rettenden Inselufer. „Wir waren ein richtig gutes Team!“, entfährt es Paul, 11 Jahre alt.

Ein Team sein – in und außerhalb des Klassenzimmers – das ist wichtig, auch für erfolgreiches Lernen. Und ein Team werden, das bedeutet, gemeinsam Zeit zu verbringen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. In Corona-Zeiten ist das nicht so einfach. Klassenfahrten entfallen, die Maske und Abstand bestimmen den Schulalltag. „Und genau deshalb wurde es höchste Zeit, als Klasse Zeit außerhalb der Schule zu verbringen, um in der Schule diese positiven Erfahrungen beim gemeinsamen Lernen zu nutzen“, erklärt Thorsten Klag, der als Schulleiter des Gymnasium Adolfinum die Initiative der Klassen 6 unterstützt. Auch der Förderverein half sofort mit, als es darum ging, einen fairen Preis für die Familien anzubieten, um einen solchen Tag zu ermöglichen. „Und so stießen wir Klassenleiter-Teams auf offene Ohren und die Planung lief wie am Schnürchen“, freut sich auch Anna Müller, Klassenlehrerin der 6d.

Die Herausforderung annehmen, sich absprechen, gemeinsam agieren und Frust aushalten, das steht bei diesen Spielen besonders im Vordergrund, weiß auch Jakob, einer der Trainer des „Team Transparent“, die das Teamtraining leiten. „Wir möchten die Schülerinnen und Schüler herausfordern, sich aus ihrer Komfortzone herauszubewegen und aktiv ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, und das am besten mit viel Bewegung und Spaß.“ Und das gelingt den Teamtrainern, lässt sich an den Gesichtern der Sechstklässler ablesen. Bei einem weiteren Spiel geht’s ans Eingemachte. Die Trainer schwingen ein großes Tau, wie beim Seil springen. Die Aufgabe: die Schüler müssen unter dem Seil hindurchlaufen. Alle. Und wenn einer das Seil berührt, geht’s für alle wieder von vorne los. Zunächst munter und motiviert bleiben alle fröhlich und ausgelassen, es wird gescherzt und gelacht, auch wenn immer wieder mal eine oder einer das Seil in seiner Flugbahn unterbricht und alle wieder zurück auf die Startseite müssen. Aber zunehmend wird es frostig, man will nicht „schon wieder“ von vorne beginnen, will endlich weiterkommen, im nächsten Level spielen, welches die Trainerin Thara schon angekündigt hat. Aber wie geht das? Schimpfen? Meckern? Sich verziehen und lieber die mitgebrachten Süßigkeiten futtern? Nein! „Mensch, überlegt doch mal, was jetzt helfen würde!“, erinnert Thara die 6b. Und es wirkt: schnell hört man die Ansagen. „Jetzt hört mal zu, wir haben eine Idee!“ motiviert Mathilda, 11 Jahre, die Gruppe und kündigt Nami an, „Nami ruft, wenn ihr loslaufen könnt!“ Und neuer Mut ist gefasst, die Aufgabe wird angepackt und gemeistert.

Und wie überträgt sich das Erlebte ins Klassenzimmer? „Auch im Klassenalltag gibt es Situationen, in denen wir gemeinsam um eine Lösung ringen. Das sind vielleicht kleine Auseinandersetzungen innerhalb der Klasse, Verärgerung über das Verhalten einzelner, Unstimmigkeiten über die Pausengestaltung oder erhöhte Lärmpegel im Unterricht. Und mit unserer Erfahrung als Team heute wissen wir, dass wir das können. Lösungen finden. Herausforderungen meistern. Und das stärkt – uns alle!“, beschreibt Sandra Schröer, ebenfalls Klassenlehrerin in einer 6. Klasse.

Gute Stimmung zum Abschluss des Tages: die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6b.

 

Der Nachmittag ist angebrochen in der Jugendherberge Wedau. Während zwei Klassen weiterhin Teamspiele veranstalten, hat sich die 6b fürs Klettern entschieden. Teams werden gebildet, Technik erklärt. Vor allem das Sichern ist wichtig. Bei so einer spannenden Sache ist es schön, wenn mehrere unten stehen, und den mutigen Kletterer halten. Und so halten die Einen, wagen sich die anderen in die Höhe, während sich Grüppchen um die Tischtennisplatte und das Beach Volleyball Feld bilden. Entspannt genießen die Kinder das Spätsommerwetter. „Das macht richtig Spaß heute!“, sagt Marélie. „Ein bisschen wie ein Kindergeburtstag mit 28 Gästen“, findet auch Eva Redeker, Erprobungsstufenkoordinatorin am Adolfinum. Am Ende gibt es noch ein Gruppenfoto, bevor der Bus die erschöpften, aber glücklichen Schüler zurück nach Moers bringt. Für Januar ist angedacht, einen weiteren Teamtag mit den 6. Klassen zu veranstalten.

Text & Fotos: Eva Redeker.

— [Thomas Kozianka]

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