Fünf Tage als UN-Delegierte

Diplomatie, Debatten und jede Menge Teamgeist bei SPUN in Bonn

Beim Schülerplanspiel United Nations (SPUN) schlüpften Schülerinnen des Adolfinums fünf Tage lang in die Rollen internationaler Delegierter. In Bonn diskutierten sie über aktuelle und historische politische Themen, verhandelten Resolutionen und sammelten wertvolle Erfahrungen in Diplomatie und Rhetorik. Abseits der Ausschusssitzungen sorgte ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für Gemeinschaft, Spaß und unvergessliche Erlebnisse.

Fünf Tage lang schlüpften Schülerinnen des Adolfinums in die Rollen internationaler Diplomatinnen: Beim Schülerplanspiel United Nations (SPUN) vertraten sie verschiedene UN-Mitgliedsstaaten, sammelten diplomatische und rhetorische Erfahrungen und erlebten zugleich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Das Konzept von SPUN ist simpel: Schülerinnen und Schüler vertreten für fünf Tage als Delegationen einen UN-Mitgliedsstaat, sammeln dabei diplomatische und rhetorische Erfahrungen und kommen im Rahmenprogramm auch in den Genuss von Spaß und Gemeinschaft. Genau dieses Konzept überzeugte die teilnehmenden Schülerinnen des Adolfinums bereits bei ihrer ersten Teilnahme im vergangenen Jahr. Deshalb waren auch in diesem Jahr bei der Veranstaltung vom 3. bis 7. Juni in Bonn wieder alle mit dabei – teilweise allerdings in neuen Rollen.

Annika Hauschild, Rike Gärtner (beide 10e) und Coralie Salenga (Q1) bildeten in diesem Jahr die Vertretung der Türkei. Mara Böcker (10e) repräsentierte den Sudan, während Joyce Weber (Q1) als Fotografin und Autorin für die projekteigene Zeitung im Einsatz war. Auch die ehemalige Adolfinerin Kim Schirra war als Mitglied des Organisationsteams vor Ort.

Inhaltlich wurde intensiv diskutiert: Mara und Annika gaben nach mehreren Tagen der Debatte über Maßnahmen zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz zu Protokoll, diese Abkürzung inzwischen nicht mehr hören zu können. Coralie beschäftigte sich derweil mit der Korrektur grammatikalischer Fehler in der Resolution ihres Ausschusses und setzte sich in der Debatte um die Suezkrise von 1956 für die Sicherung der staatlichen Souveränität Ägyptens und die internationale Verurteilung der ehemaligen Kolonialmächte ein.

Rike befasste sich im Wirtschafts- und Sozialrat mit der internationalen Zusammenarbeit bei Steuerfragen sowie dem Schutz von Minderheiten. Joyce verbrachte einen Großteil ihrer Nächte damit, die nächste Ausgabe der SPUNited-Zeitung so informativ und unterhaltsam wie möglich zu gestalten.

Apropos Nächte: Während die Delegierten der anderen Ausschüsse friedlich schliefen, wurden die Mitglieder des Sicherheitsrates und des Historischen Sicherheitsrates – darunter Coralie als Delegierte im Historischen Sicherheitsrat – mitten in der Nacht aus ihren Betten geklingelt: Ein Notfall war eingetreten. Der Historische Sicherheitsrat tagte daraufhin von 4 bis 7 Uhr morgens, um über eine historisch veränderte Version der Kuba-Krise zu beraten. Trotz der frühen Stunde war der Ausschuss erstaunlich produktiv, wenn auch etwas friedlicher, als die Anwesenheit eines Delegierten der Sowjetunion vermuten ließ. Nach dem Beschluss einer Resolution, die sowohl den Abzug sowjetischer Atomraketen aus Kuba als auch den amerikanischer Raketen aus der Türkei regelte, wurden die Delegierten bis zum Mittag zurück ins Bett entlassen.

Die etwas spezielle Art des diplomatischen Umgangs, die bei SPUN gepflegt wird, zeigte sich nicht nur in den Nachtsitzungen, sondern auch im abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Am ersten Abend wurden bei der Nations Night Spezialitäten aus den jeweils vertretenen Ländern probiert und erste Allianzen geschmiedet. Am folgenden Abend standen unter anderem Improvisationstheater – geleitet von einer höchst engagierten Joyce –, PowerPoint-Karaoke, ein Tanzkurs für den traditionellen Diplomatenball und eine große Auswahl an Brettspielen auf dem Programm. Bevor die verschiedenen Angebote beginnen konnten, mussten allerdings noch diverse Rügen verschiedener Delegierter abgearbeitet werden – in Form eines epischen Just-Dance-Battles.

Der Freitagabend war zweigeteilt: Zunächst fand eine Podiumsdiskussion mit geladenen Gästen zum Thema Wehrpflicht statt, anschließend stand Bonn zur freien Erkundung zur Verfügung.

Am Samstag, dem letzten Tag mit festem Programm, wurden zunächst in den Ausschüssen die Resolutionen finalisiert. Anschließend wurde in der Generalversammlung beispielhaft eine dieser Resolutionen debattiert und symbolisch verabschiedet. Es folgten Abschlussreden der einzelnen Kontinentalgruppen und der Vorsitzenden, bevor die Sitzungswoche offiziell geschlossen wurde.

Am Abend wurde es noch einmal etwas formeller: Der Diplomatenball begann mit einem alkoholfreien Sektempfang und Walzer. Im Laufe des Abends lockerte sich die ohnehin ausgelassene Stimmung weiter. Auf Cha-Cha-Cha und Quickstep folgte schließlich eine Silent Disco mit drei wählbaren Musikkanälen.

Im Laufe des Abends fühlten sich die verbliebenen Delegierten des Adolfinums, Mara und Coralie, aufgrund der enormen Hitze im Veranstaltungsraum dazu genötigt, das Fenster kurzerhand als Ausgang zu nutzen. Nach dem kleinen Sprung nach draußen beteiligten sie sich anschließend wieder an der Feier.

Letztendlich waren alle sehr zufrieden mit einer unterhaltsamen und erlebnisreichen Sitzungswoche – und mit großen Chancen auf eine Rückkehr im nächsten Jahr.

Für Joyce und Coralie war das SPUN-Jahr allerdings noch nicht vorbei: Am 19. Juni ging es für beide mit einer kräftezehrenden Bahnfahrt ins hessische Nesselbrunn zum Nachbereitungsseminar. Dort wurde die vergangene Sitzungswoche nachbesprochen und zugleich mit der Vorbereitung der nächsten begonnen.

Die wichtigsten Personalien für das kommende Jahr wurden dabei bereits geklärt: Joyce wird als eine von zwei Generalsekretär SPUN 2027 leiten. Für die Delegation des Adolfinums sind das beste Aussichten auf eine erfolgreiche Fortsetzung der SPUN-Tradition.

Text: Coralie Salenga

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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