Aufschlussreich: Annedore Kremers (GCJZ) erläutert die Geschichte und die Bedeutung des jüdischen Friedhofs in Moers

Spuren jüdischen Lebens in Moers

Geschichte Leistungskurs besucht den Jüdischen Friedhof

In der Woche vor den Sommerferien unternahm unser Geschichts-LK zusammen mit Herrn Schirra eine Exkursion zum jüdischen Friedhof an der Klever Straße in Moers. Den Rundgang leitete Annedore Kremers, die seit vielen Jahren im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers tätig ist. Während unseres Rundgangs vermittelte sie uns interessante Einblicke in die Geschichte des Ortes sowie in jüdisches Leben und jüdische Erinnerungskultur.

Der jüdische Friedhof liegt nördlich des Ehrenfriedhofs auf dem städtischen Friedhof an der Klever Straße und ist über diesen zugänglich. Heute ist der Friedhof ein Ort der Erinnerung und gilt als das letzte noch erhaltene Zeugnis jüdischer Kultur in Moers.

Wann genau der Friedhof angelegt wurde, lässt sich nicht eindeutig nachweisen, da viele Unterlagen in der Zeit der Verfolgung vernichtet wurden. Quellen zufolge wurde der Friedhof vermutlich um 1830 errichtet. In den 1880er-Jahren ließ die jüdische Gemeinde den Friedhof mit einer Mauer umgeben, um ihn vor Übergriffen zu schützen. Im Hebräischen wird ein jüdischer Friedhof unter anderem als „Guter Ort“ bezeichnet.

Am Eingang des jüdischen Friedhofs stießen wir auf drei Tafeln, die auf Deutsch, Englisch und Hebräisch über die Geschichte des Ortes informieren. Die Tafeln weisen auch darauf hin, dass die heutige Anordnung der Grabsteine und Wege nicht der ursprünglichen Anlage entspricht.

Der Friedhof wurde mehrfach geschändet. In der Karfreitagsnacht 1927 wurde er zum ersten Mal geschändet, wobei 28 Grabmale verwüstet und teilweise zerstört wurden.  Während der NS-Zeit wurde der Friedhof systematisch abgeräumt, die Grabmale wurden entfernt und verkauft. Besonders auffällig war für uns, dass heute nur noch wenige Grabmale erhalten sind - über einen großen Teil des Friedhofs erstreckt sich eine weitgehend leere Rasenfläche. Dies verdeutlichte uns eindrücklich, wie stark der Friedhof durch Schändungen und Zerstörungen während der NS-Zeit verändert wurde und welche Spuren diese Eingriffe bis heute hinterlassen haben.

Frau Kremers erklärte uns, dass die Grabsteine bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich hebräisch beschriftet waren und deutsche Inschriften erst mit der zunehmenden gesellschaftlichen Integration hinzukamen. So fanden wir auf den Grabsteinen von Simon Adler (gest. 1860) sowie Simon Marx und Jette Marx (gest. 1865) ausschließlich hebräische Texte, während auf den Grabsteinen von Philipp Heymann (gest. 1873) und Eva Heymann (gest. 1881) bereits deutsche Inschriften zu finden waren. Diese Entwicklung spiegelt die Veränderungen im jüdischen Leben und die zunehmende gesellschaftliche Integration im 19. Jahrhundert wider.

Auch Ende der 1930er- und Anfang der 1940er-Jahre soll es trotz der zunehmenden Repressionen noch Bestattungen auf dem jüdischen Friedhof gegeben haben. Von diesen Gräbern sind heute jedoch keine Grabsteine mehr erhalten; möglicherweise wurden teilweise auch keine mehr aufgestellt.

Die letzte Bestattung auf dem Friedhof fand im Jahre 2010 statt. Beigesetzt wurde Karl Coppel (geb. 1916 in Neukirchen-Vluyn, gestorben 2010 in Xanten). Er überlebte die Deportation nach Riga und kehrte als einziger überlebender Jude der Moerser Synagogengemeinde in seine Geburtsstadt Neukirchen-Vluyn zurück.

Eine besondere Bedeutung hat der Ort auch wegen des ewigen Ruherechts. Im Judentum gilt die dauerhafte Totenruhe als ein wichtiger Grundsatz: Jüdische Gräber sollen nicht eingeebnet werden, sondern dauerhaft bestehen bleiben.

Für die meisten von uns war es überraschend, dass sich dieser bedeutende Ort jüdischer Geschichte mitten in Moers und damit sozusagen direkt vor unserer Haustür befindet und uns vor unserem Besuch dennoch kaum bekannt war. Der Besuch hat uns gezeigt, dass der Friedhof nicht nur ein Ort des Gedenkens ist, sondern zugleich daran erinnert, wie verletzlich kulturelles Erbe sein kann. Umso wichtiger finden wir es, solche Orte bewusst wahrzunehmen, ihre Geschichte kennenzulernen und sie an zukünftige Generationen weiterzugeben.

 

Quellen:

Hans-Helmut Eickschen, Der Jüdische Friedhof in Moers an der Klever Straße, das letzte noch erhaltene Zeugnis jüdischer Kultur in Moers, in: Jahresausgabe des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins, 2020.

Hans-Helmut Eickschen und Lutz Hartmann (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers e.V.), Spuren jüdischen Lebens in Moers, 2025

Text: Maximiliane Köhler (Q1)

Foto: Daniel Schirra

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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