Theatermarathon: Bühnen-Geschichte

Vom mittelalterlichen Moers bis zum Ringen um Macht in Rom

Am 1. Juli verwandelte sich unsere Aula erneut in eine Theaterbühne: Beim diesjährigen Theatermarathon präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihr schauspielerisches Können und begeisterten das Publikum mit Kreativität, Spielfreude und großem Engagement.

Unter Tage: Unsere jungen Zeitreisenden erleben den harten Alltag der Bergarbeiter im Ruhrgebiet

Den Auftakt machte die Theater-AG der Sekundarstufe I unter der Leitung von Herrn Schirra und Frau Schindler. Anlässlich des 725-jährigen Jubiläums der Stadt Moers zu Beginn des letzten Schuljahres hatten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Geschichte ihrer Heimatstadt auseinandergesetzt und daraus eine abwechslungsreiche Eigenproduktion entwickelt.

Den Rahmen der Inszenierung bildete eine geheimnisvolle Zeitmaschine, die drei Geschwister im Keller entdeckten. Neugierig und ohne zu wissen, was sie erwarten würde, begaben sie sich auf eine Reise durch die Geschichte der Stadt. Ihre erste Station war das Jahr 1300, in dem Moers zur Stadt erhoben wurde. Anschließend erlebten die drei Jugendlichen die Zeit der Industrialisierung und erhielten einen eindrucksvollen Einblick in die harte Arbeit der Bergleute unter Tage. Auch die Nachkriegszeit mit ihren Zerstörungen und Entbehrungen wurde eindrücklich dargestellt. Schließlich führte die Reise in die Gegenwart, in der typische Alltagssituationen und Herausforderungen von Jugendlichen auf humorvolle und zugleich nachdenkliche Weise dargestellt wurden, bevor ein Ausblick auf mögliche Zukunftsvisionen der Stadt – einschließlich der Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz – den Abschluss bildete.

Ausdrucksstark – Timo Bartels in seiner Rolle als Marcus Tullius Cicero

Mit viel Spielfreude, Kreativität und schauspielerischem Talent brachten die Schülerinnen und Schüler ihre Ideen auf die Bühne. Zahlreiche Szenen entstanden aus eigenen Einfällen des Ensembles und wurden im Laufe der Proben gemeinsam weiterentwickelt. Dabei erhielt die Theater-AG in mehreren Proben wertvolle Unterstützung durch Regisseurin und Theaterpädagogin Kathrin Leneke (Schlosstheater Moers), die mit ihrer theaterpädagogischen Erfahrung wichtige Anregungen gab und die Schülerinnen und Schüler in ihrem kreativen Schaffensprozess professionell begleitete.

Die Theater AG der Sekundarstufe I: zufriedene Gesichter nach einer erfolgreichen Aufführung

Im Anschluss präsentierte der Literaturkurs sein Stück „Imperium“, in dem die letzten Jahre der römischen Republik auf der Bühne des Adolfinum lebendig wurden. In mitreißenden Reden und mit schneidenden Dialogen vermittelten die Teilnehmenden des Literaturkurses den Zuschauerinnen und Zuschauern die Prozesse, welche zur Aushöhlung der römischen Demokratie geführt hatten. Im Zentrum des Stücks standen die Auseinandersetzungen zwischen Marcus Tullius Cicero (Timo Bartels) und Gaius Iulius Cäsar (Jasper von Gröling-Müller), die sich in der politischen Arena des Senats gegenüberstanden. Dazwischen spielten aber auch die Verstrickungen der Catilinischen Verschwörung eine Rolle und Luis Köster ließ in seiner Rolle als Catilina keinen Zweifel daran, dass er seine Vorstellung von der Herrschaft des Volkes auf jeden Fall hätte durchsetzen wollen.

Neben den vielen Senatoren konnten die Zuschauenden aber auch Eindrücke von Charakteren bekommen, die in der Geschichte weniger häufig erwähnt werden, darunter z.B. Ciceros unbeugsame Ehefrau Terentia, gespielt von Gioia Malaponti, oder Marcus Caelius Rufus (Karl Brinkmann), eines Schülers von Cicero, der sich später gegen seinen Mentor wendet.

Trotz des ernsthaften Charakters des Stückes fand die Inszenierung jedoch immer wieder Räume, um das Publikum zum Lachen oder Schmunzeln zu bewegen. Sei es durch den Auftritt des eitlen und schnöseligen Generals Lucullus (Scherhad Haweri) oder der Erscheinung von Pompeius Magnus (Lenni Hnevsa), den der Kurs als antike Version von Donald Trump interpretiert hatte.

Imperium – zwischen Macht, Verrat und dem nahenden Ende der Republik

Diese Parallele zur modernen Politik wurde an vielen Stellen deutlich und leider nicht immer nur zur Erheiterung der Menschen in der fast bis auf den letzten Platz belegten Aula. Denn obwohl mehr als zwei Jahrtausende zwischen den politischen Ereignissen der damaligen und heutigen Welt liegen zeigte sich doch, dass Demokratien und demokratische Strukturen immer auch aktiv verteidigt und gelebt werden müssen, damit sie erhalten und lebendig bleiben. Auch diesen Zusammenhang beleuchteten die Teilnehmenden des Literaturkurses, unter der Regie von Herrn Watkins, an vielen Stellen sichtbar und spürbar, wodurch der "alte Stoff" eine mahnende, moderne Note bekam.

Für technische Unterstützung der beiden Stücke sorgte die Technik-AG unter der Leitung von Herrn Tenhaven. Der Elternverein kümmerte sich derweil ums leibliche Wohl und bot dem Publikum kühle Getränke und kleine Snacks – herzlichen Dank für dieses Engagement!

Wir danken allen Beteiligten für ihren großartigen Einsatz und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Theaterabend!

Text: Daniel Schirra und Christopher Watkins

Fotos: Daniel Schirra

Plakatdesign: Leonie Schleicher (Q1)

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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