Ein Würfel: Teil der Versinnbildichung des Leib-Seele-Dualismus nach Pythagoras.

Veganismus, Metaphysik und Algorithmen

Latein in der Q1: die anderen Facetten von Pythagoras

Lateinunterricht wird häufig noch mit klassischen Übersetzungsaufgaben und wenig Aktualitätsbezug verbunden. Ein Blick in den Unterricht der Q1 zeigt jedoch, wie stark moderne Methoden, digitale Werkzeuge und kreative Zugänge das Fach prägen und neu erlebbar machen. Wie dieser Wandel im Detail aussieht, stellen Berk Akçil und Lenni Hnevsa vor.

Wenn man etwas über alte Sprachen hört, denkt man oft an den Nutzen und den Unterricht. Ersteres wird meist als nicht existent wahrgenommen, da man diese Sprachen nicht mehr sprechen kann. Letzteres untermauert dieses Bild, da die meisten Menschen den Unterricht als langweiliges Übersetzen im Hinterkopf haben.

Jedoch ist der moderne Lateinunterricht alles andere als stumpf und langweilig. Ein Beispiel dafür liefert die aktuelle Unterrichtsreihe aus der Q1. Denn Pythagoras’ Lehren werden nun auch mithilfe von KI-Inszenierungen, Rollenspielen und sogar Knete vermittelt.

Mithilfe von Prompts für die KI gelang es den Schüler*innen des diesjährigen Lateingrundkurses, mit Pythagoras ein Zeugengespräch zu führen. Dadurch wird der Unterricht nicht nur digitalisiert, sondern den Schüler*innen wird auch der richtige Umgang mit künstlicher Intelligenz gelehrt.

Auch durch Rollenspiele und Debatten, in denen moderne Ansichten kollidieren; etwa zu Themen wie Veganismus, Massentierhaltung oder Klimawandel, wird den Schüler*innen die Plattform angeboten, sich über aktuelle Themen, die sie beschäftigen, in einem sicheren Raum auszutauschen.

Daran wird deutlich, dass der Unterricht nicht nur einen sehr starken Aktualitätsbezug hat, sondern auch viele kreative Aufgaben mit sich bringt.

Wie auch schon angesprochen ist der Lateinunterricht nicht nur stumpfes Übersetzen und Lernen, denn hinter dem Fach verbirgt sich deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Im Unterricht taucht man thematisch in die antike Welt der Römer ein, sieht, wie diese gelebt haben und woran sie glaubten. Man kann sogar viele der heutigen, modernen Weltansichten auf die antiken Schriften zurückführen.

Der wohl bekannteste Geschichtenschreiber und Dichter der antiken Welt, Ovid, beschreibt in Teilen seiner Werke die Weltanschauung des berühmten Philosophen Pythagoras. Anstatt ausschließlich über seine berühmte mathematische Entdeckung zu grübeln, erkannte Pythagoras laut Ovid viel mehr als nur das — Pythagoras war auch einer der großen Denker, die versuchten in das Metaphysische einzutauchen. Er glaubte daran, dass die Seele eines jeden Menschen nach dem Tod nicht stirbt, sondern in einen anderen Körper wandert, und weiterlebt. Somit war Pythagoras auch einer der ersten, die die Frage des Leib-Seele-Dualismus in den Raum warfen.

Um seinen Gedankengang nachzuvollziehen hat der Q1-Kurs mit einer Knete drei verschiedene Figuren geformt: einen Würfel, eine Schlange und ein Herz. Die Idee dahinter: Unabhängig von der Form bleibt die Essenz, also die Knete, bzw. die Seele, dieselbe.

Im Unterricht gibt es jedes Mal viel zu besprechen, da fast jeder Text oder jede Geschichte ein neues Thema anreißt und man oft einen starken Aktualitätsbezug vorfindet, worüber es sich lohnt, zu debattieren. Das Fach ist aus der Sicht der Kursmitglieder das „interessanteste und mitreißendste von allen“, da man nicht nur stumpfe Inhalte lernt, die keinen Alltagsbezug haben, sondern man auch die Ursprünge der modernen Weltansichten entdeckt, und sich darüber austauschen darf. Dadurch wird das Allgemeinwissen weiterentwickelt und der Horizont erweitert.

Text: Berk Akçil, Lenni Hnevsa, Q1, Fotos: Sarah Koopmann

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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