eben in der Region: Eindrücke aus dem ländlichen Umfeld Nyangaos

Vom Lernen zum Helfen

Carlas Reise zu den Pflegekräften in Nyangao

Aus einer Facharbeit über die Gesundheitsversorgung in Tansania wurde für Carla Finkenrath (Q2) eine besondere Reise. In Nyangao lernte sie den Alltag angehender Pflegekräfte kennen und erlebte ihre Arbeit in entlegenen Dörfern. Zurück in Deutschland entstand daraus ein eigenes Spendenprojekt.

Im Juni dieses Jahres bin ich gemeinsam mit der Artemed Stiftung nach Nyangao im Süden Tansanias gereist. Rückblickend wurde mir durch das Adolfinum die Tür zu einer Erfahrung geöffnet, die weit über die Schule hinausgeht.

Der Ausgangspunkt: meine Facharbeit

Angefangen hat alles mit meiner Facharbeit, die Pflicht in der Oberstufe ist. Ich habe über die Gesundheitsversorgung in Tansania geschrieben – über Krankheitsprävention im Allgemeinen, das Projekt Gebärmutterhalskrebsprävention im Speziellen, und den Mangel an Pflegekräften. Je länger ich recherchierte, desto mehr wollte ich die Umsetzung, das tatsächliche Leben hinter den Studien kennen. Genau dieses Interesse hat mich schließlich nach Nyangao gebracht.

Begegnungen vor Ort

Dort habe ich das St. Walburg’s Hospital und die Sr. Dr. Thekla Nyangao School of Nursing mit ihren Lehrkräften und Auszubildenden persönlich kennengelernt. Die Pflegeschule wurde 2014 gegründet, weil im Süden des Landes qualifiziertes Pflegepersonal fehlt; über 270 Pflegekräfte wurden seitdem ausgebildet. Staatliche Gelder bekommt sie nicht, sie lebt von
Schulgebühren und Spenden.
Am meisten beeindruckt hat mich die Motivation und die Entschlossenheit der Auszubildenden, die ich zu spüren bekommen habe. Trotz einfacher Lebensbedingungen und mit geringen finanziellen Mitteln lernen sie mit einer beeindruckenden Motivation und Disziplin. Bildung ist dort nichts Selbstverständliches, sondern ihre einzige Chance – für die eigene Zukunft, aber auch für ihre Familie und ganze Dörfer.

Warum Pflegekräfte so wichtig sind

Das nebenliegende Krankenhaus versorgt jährlich rund 90.000 Patientinnen und Patienten, für viele Menschen ist es die einzige medizinische Anlaufstelle überhaupt. Wer in den entlegenen Dörfern Richtung Malawi oder Mosambik lebt, erreicht es oft gar nicht oder nur erschwert. In diese Dörfer sind die Pflegekräfte die Einzigen, die überhaupt kommen: Sie behandeln, impfen und klären über Hygiene, Ernährung und Krankheitsvorsorge auf.
Ich durfte sie auf diesen Fahrten begleiten – manchmal sechs Stunden über Pisten in ein einziges Dorf. Mit dem Wissen aus meiner Facharbeit und meiner Erfahrung aus dem Schulsanitätsdienst konnte ich bei den Vorsorgeschulungen mithelfen. Da habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, was eine einzige ausgebildete Pflegekraft für eine ganze Region bedeutet.

Was daraus entstanden ist

Zurück in Deutschland hat mich ein schwerwiegendes Problem, mit dem ich ständig vor Ort konfrontiert wurde, nicht mehr losgelassen. Viele Auszubildende können am Ende ihrer Ausbildung die Prüfungsgebühren nicht bezahlen. Pro Semester fallen Gebühren von zweimal 50 Euro (150.000 Tansania-Schilling) an – eine schulinterne und eine staatliche Prüfung. Für Familien, die von der Landwirtschaft leben und deren Einkommen von der Ernte abhängt, ist das über drei Jahre eine enorme Summe.
Junge Menschen lernen jahrelang, mit Mühe und Leidenschaft, aber für einen Abschluss fehlen die finanziellen Mittel. Ein Problem, das wir in Deutschland kaum zu spüren bekommen. Genau hier setzt mein Projekt an. Ich sammele Spenden für die Auszubildenden, um ihnen beim Bezahlen der Prüfungsgebühren zu helfen und ihnen dadurch eine Zukunft zu ermöglichen. Dabei stehe ich in regelmäßigem Austausch mit der Schulleiterin Cosima Laschet vor Ort. Schon kleine Beträge versetzen dort Berge. Sie sorgen dafür, dass in Dörfern ohne jede Versorgung jemand ankommt, der impfen, behandeln und aufklären kann. Eine ausgebildete Pflegekraft erreicht über die Jahre mehrere hunderte Menschen, kann dadurch Leben beeinflussen und sogar retten. Diese Reise hat meinen Blick auf vieles verändert, aber hauptsächlich darauf, wie privilegiert unser Leben ist. Lasst uns gemeinsam denen helfen, die dieses nicht haben.

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, klickt gerne auf den QR-Link links

Wer das Projekt unterstützen möchte, klickt gerne auf diesen QR-Link rechts

Ich freue mich, meine Erfahrungen teilen zu können und bin dankbar, dass mich meine Facharbeit am Adolfinum an diesen Ort geführt hat und ich die Menschen kennenlernen und unterstützen durfte. Mein Leben wurde durch diese Erfahrung auf jeden Fall bereichert.

Text und Fotos: Carla Finkenrath, Q2, Gymnasium Adolfinum

— [Daniel Heisig-Pitzen]

Zurück

Weitere Nachrichten

Historische Stadtführung mit der 9e

Nationalsozialismus in Moers vor Ort verstehbar gemacht

Siegesserie von Timo Otto reißt nicht ab

Vorlesewettbewerb 2014/2015: Sieg im Bezirksentscheid in Oberhausen

Der lange Weg der Zeitung auf den Frühstückstisch

Exkursion im Deutschunterricht: Klasse 8e besucht Druckerei in Essen

"Physikunterricht in Echtzeit"

Die Sonnenfinsternis am Adolfinum: Livestream und Kurzvorträge

Anregend, heiter und ein wenig unerwartet

Känguru-Mathematikwettbewerb 2015 am Adolfinum

Humor und Musik verbindet die Generationen

Leseclub stiftet mit Comedy-Lesung zum Lachen an

Sonnenfinsternis 2015

Maßnahmen zum Schutz und zur Information

Sind intergalaktische Reisen jemals möglich?

Erweiterungsprojekt 2015: ein Erfahrungsbericht

Die Klasse 5e setzt sich für ein sauberes Moers ein

Unterrichtsthema „Umweltschutz und Müllvermeidung“ praktisch umgesetzt

Der Klasseraum der 5b im Lande Liliput

Ein fächerübergreifendes Projekt nach "Gullivers Reise"

Abitur und was dann?

Elternverein bietet Informationsabend an: 17. März 2015