"Wir sind der Projektkurs Project Peak!"

Eine ganz besondere Radsport-Woche

Die zweite Septemberwoche 2027 war eine ganz besondere. Und ich glaube, das gilt für jeden von uns. Wir sind der Projektkurs "Project Peak". Unser Ziel war es, innerhalb einer Woche 700 Kilometer und 4.750 Höhenmeter mit dem Rennrad zurückzulegen. Das hört sich anstrengend an? Das war es auch. Aber genau darauf hatten wir uns seit anderthalb Jahren vorbereitet.

Ein unmögliches Ziel?

Angefangen hat alles mit Elternabenden, Absprachen und ganz viel Planung. Wir standen vor schwierigen Entscheidungen: Welches Rennrad soll es werden? Oder doch lieber ein Gravelbike? Den Helm in Schwarz oder vielleicht doch in Weiß? Hinter all diesen Fragen stand aber ein gemeinsames Ziel: Eine Gruppe aus 15 Schülerinnen und Schülern wollte zusammen etwas schaffen, das sich zu diesem Zeitpunkt noch unmöglich anhörte.

Also fingen wir an zu trainieren

Im Herbst letzten Jahres begannen die ersten Ausfahrten - zunächst noch als reine AG. Wer bereits ein Fahrrad hatte, konnte mitfahren und schon einmal dieses ganz andere Gefühl kennenlernen: Rennradfahren. Wir alle hatten keine Vorerfahrung und trotzdem haben wir uns alle getraut, etwas ganz Neues auszuprobieren. Kurz vor den Osterferien begannen wir dann, wirklich als Gruppe zu trainieren. Es startete mit Spinning-Einheiten, bevor es schließlich richtig losging.

Nach den Osterferien trafen wir uns zweimal pro Woche zum Fahrradfahren - jeden Dienstag und Samstag. Angefangen haben wir mit nur 42km Kilometern durch Moers und Umgebung. Von Woche zu Woche wurden die Distanzen größer, ganz allmählich. Kilometer für Kilometer gewöhnten wir uns an die Strecken.

Und dann kam schon ganz bald der Moment, mit dem wir am Anfang wahrscheinlich selbst nicht gerechnet hätten: Wir fuhren zum ersten Mal 100 Kilometer am Stück. Aber auch zu dem Zeitpunkt klang unser Vorhaben immer noch irrwitzig. Sieben Tage lang jeden Tag 100 Kilometer. Und dazu auch noch die Höhenmeter.

Die einzigen Höhenmeter, die wir bereits in- und auswendig kannten, waren die Sonsbecker Höhe - von uns auch gerne „Schweineberg“ genannt - und der Tönisberg. Kaum vorstellbar, dass allein unser letzter Tag mehr als 1.000 Höhenmeter haben sollte.

Bis zu den Sommerferien trainierten wir fleißig weiter. Jede Woche zweimal. Die Strecken wurden länger, die Beine wurden stärker und langsam gewöhnten wir uns daran, immer mehr Kilometer zu fahren.

In der Projektwoche vor den Sommerferien konnten bereits viele aus unserer besonderen Gruppe ausprobieren, wie es sich anfühlt, mehrere Tage hintereinander viele Kilometer zu fahren. Drei Tage am Stück - aber würde das auch noch vier weitere Tage funktionieren?

Naja - ab diesem Zeitpunkt lag es erst einmal an uns selbst. Denn die sechs Wochen Sommerferien stellten für uns alle eine weitere Herausforderung dar.

Kommen wir danach stärker zurück?

Die Zweifel wurden immer größer - zumindest bei einigen von uns. Schaffen wir es, unsere Sachen in nur einer 30-Liter-Tasche unterzubringen? Schaffen wir es, dass niemandem etwas passiert? Kommen wir alle oben an? Und was passiert, wenn das Wetter schlecht wird?

All diese Sorgen und Fragen waren durchaus berechtigt, denn keiner von uns wusste wirklich, was auf uns zukommen würde. Auch wenn die Unterkünfte und alles Weitere drumherum schon lange geplant waren, lag es am Ende an jedem Einzelnen von uns.

Also: ein letzter Elternabend, eine letzte Fragerunde - und dann ging es auch schon los. 15 nervöse Schülerinnen und Schüler, 3 noch nervösere Lehrerinnen und Lehrer und unzählige aufgeregte Menschen, die von zu Hause mitfieberten.

Vor allem: Fahrrad fahren

Am Samstagmorgen, dem 12. September, trafen wir uns um 11:30 Uhr in Würzburg. Alle liefen wild durcheinander, das Begleitfahrzeug wurde beladen, die Wasserflaschen wurden aufgefüllt – und plötzlich saßen wir alle auf unseren Sätteln. Ein Moment, auf den wir so lange hingearbeitet hatten. Ein Moment, vor dem viele von uns großen Respekt hatten.

Doch schon nach wenigen Kilometern und den ersten gemeisterten Hindernissen verflog die Nervosität allmählich. Langsam wurde uns klar: Genau für diesen Moment hatten wir so lange trainiert. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe funktionierte problemlos, jeder wusste, worauf es ankam, und nach und nach stellte sich ein Gefühl von Sicherheit und Zusammenhalt ein.

Gerade dieses Gefühl der Zugehörigkeit und der starke Teamgeist machten diese Fahrt zu etwas ganz Besonderem. Denn anders als bei vielen anderen Schulfahrten kam es hier wirklich auf jeden Einzelnen von uns an. Jeder wollte sein Bestes geben – nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für die anderen. Niemand verfolgte ausschließlich seine eigenen Interessen. Stattdessen hatten wir alle ein gemeinsames Ziel: Wir wollten am Ende gemeinsam, gut gelaunt und vor allemgesund und unverletzt oben auf dem Hahntennjoch ankommen.

Dieses Gefühl begleitete uns jedoch nicht nur in den ersten Tagen, sondern wurde mit jedem weiteren Kilometer stärker. Von Tag zu Tag kamen wir unserem Ziel näher. Auch wenn die körperliche Ermüdung immer weiter zunahm, hatten wir eine unglaublich gute Zeit. Es wurde viel gelacht, gemeinsam gekocht, gespielt und natürlich vor allem eins: Fahrrad gefahren.

Etwas gemeinsam schaffen

So viele Stunden miteinander zu verbringen, sich während der Fahrt über alles Mögliche zu unterhalten und dabei gemeinsam auf einer ganz eigenen Mission zu sein, fühlte sich einfach großartig an. Wir erlebten die unterschiedlichsten Momente – anstrengende Anstiege, lange Abfahrten, Regenschauer, wunderschöne Aussichten, kleine Rückschläge, aber auch unzählige Augenblicke, in denen wir gemeinsam lachen konnten. Und genau diese Mischung machte die Fahrt zu etwas ganz Besonderem.

Denn irgendwann ging es nicht mehr nur darum, Kilometer zu sammeln oder einen Berg hinaufzufahren. Es ging darum, gemeinsam durchzuhalten, sich gegenseitig zu motivieren und füreinander da zu sein. Wenn jemand nicht mehr konnte, wartete man. Wenn jemand einen schlechten Moment hatte, wurde er wieder aufgebaut. Und wenn schließlich alle gemeinsam oben ankamen, war die Freude umso größer.

Aus 15 Schülerinnen und Schülern, die am ersten Tag noch etwas nervös auf ihren Fahrrädern saßen, war innerhalb weniger Tage ein echtes Team geworden. Einen solchen Teamgeist hatte ich gerade im schulischen Rahmen bisher noch nicht erlebt. Der gemeinsame Wunsch, etwas als Gruppe zu schaffen, ließ den Gedanken an Bewertung irgendwann völlig in den Hintergrund rücken. Es ging nicht darum, wer der Schnellste war oder wer die meisten Kilometer schaffte. Esging darum, dass wir es gemeinsam schafften. Genau das machte diese Fahrt so einzigartig.

Viele kleine Erinnerungen

Es waren aber nicht nur die großen Momente, die uns als Gruppe zusammengeschweißt haben. Es waren auch die vielen kleinen Erinnerungen, die diese Reise geprägt haben: das gemeinsame Baden in der Ammer, das Kochen im Klösterle am Walchensee, das Stockbrotessen am Lagerfeuer, aber genauso das gemeinsame Putzen, Spülen, Aufräumen und die Verantwortung, die jeder von uns übernehmen musste. All diese Momente gehörten dazu und machten aus einer sportlichen Herausforderung eine gemeinsame Erfahrung, die weit über das Fahrradfahrenhinausging.

Doch eine Erinnerung wird uns allen wahrscheinlich besonders lange erhalten bleiben: das Gefühl, es tatsächlich geschafft zu haben. Oben am Hahntennjoch zu stehen, sich gegenseitig in die Arme zu fallen und für einen Moment einfach nur glücklich und stolz zu sein – dieses Gefühl lässt sich nur schwer in Worte fassen.

Nach all den Trainingskilometern, den langen Anstiegen, der Erschöpfung und den Momenten, in denen man sich gefragt hatte, ob man es wirklich schaffen würde, standen wir schließlich alle gemeinsam dort oben.

Und vielleicht muss man tatsächlich dabei gewesen sein, um dieses Gefühl wirklich zu verstehen - am Ende waren es 7 Tage, 640 Kilometer und mehr als 6.000 Höhenmeter.

Text: Jule Brinkmann (Q2) | Fotos: Jule Brinkmann, Mitglieder des Projektkurses "Project Peak".

— [Thomas Kozianka]

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