„Ihr seid meine Zweitzeugen“ – die Jahrgangsstufe 10 hört den bewegenden Worten von Frau Weyl zu

„Ihr seid meine Zweitzeugen“

Zeitzeugengespräch mit Eva Weyl

Am 2. Februar nahm unsere gesamte Jahrgangsstufe 10 an einem digitalen Gespräch mit der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl teil. Die Zeitzeugin berichtete von ihrer Kindheit im Durchgangslager Westerbork sowie von der Verfolgung ihrer Familie in der Zeit des Nationalsozialismus.

Seit vielen Jahren engagiert sie sich als Zeitzeugin in der historisch-politischen Bildungsarbeit. Darüber hinaus ist Frau Weyl Teil des Hologramm-Projekts „HOLO-VOICES“, in dem ihre Erinnerungen mithilfe moderner Technik für nachfolgende Generationen zugänglich gemacht werden.

Im Vorfeld hatten sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht intensiv mit dem Nationalsozialismus und der Shoah auseinandergesetzt, sodass das Gespräch eine vertiefende und persönliche Perspektive auf die bereits erarbeiteten Inhalte eröffnete.

Wir danken Frau Weyl vielmals für ihren bewegenden Vortrag sowie dem Evangelischen Schulreferat Duisburg/Niederrhein für die gelungene Zusammenarbeit bei dieser Kooperationsveranstaltung.

Jule Braems (10c) berichtet von der Veranstaltung:

Erinnerung in Bildern – Kindheitsfotos geben Einblicke in die Vergangenheit

Als Zeitzeugin gehört Eva Weyl zu den letzten Menschen, die aus eigener Erfahrung über die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust berichten können. Die Holocaust-Überlebende war am 2. Februar im Rahmen eines digitalen Zeitzeugengesprächs per Videokonferenz zu Gast an unserer Schule, um ihre Geschichte mit uns zu teilen. An dem Gespräch nahm die gesamte Jahrgangsstufe 10 teil.
Eva Weyl wurde 1935 in Arnheim in den Niederlanden geboren. Ihre Familie war zuvor aus Deutschland geflohen, weil sie zunehmend diskriminiert wurden. 1942 wurde sie als Kind gemeinsam mit ihren Eltern im Durchgangslager Westerbork interniert. Von dort aus wurden über 100.000 Jüdinnen und Juden in Vernichtungs- und Konzentrationslager deportiert und viele davon nach Auschwitz. Mehrmals entging Eva Weyl mit ihrer Familie nur knapp der Deportation dorthin, zum Teil durch reinen Zufall. Sie schilderte, dass Westerbork nach außen wie eine „Scheinwelt“ wirkte. Es gab eine Schule, ein Krankenhaus und sogar kulturelle Veranstaltungen. Doch hinter dieser Fassade lebten die Menschen in ständiger Angst vor den Transportlisten, die über Leben und Tod entschieden.
Heute nutzt Eva Weyl ihre Stimme, um besonders jungen Menschen zu zeigen, was Hass, Hetze, Ausgrenzung und Wegsehen anrichten können. Sie spricht jedes Jahr mit Schülerinnen und Schülern von etwa 60 Schulen. Das Gespräch begann mit einem kurzen Film, in dem ein Kind einen älteren Mann nach einer Nummer fragt, die auf dessen Arm tätowiert war. Im Anschluss berichtete Eva Weyl von ihrem eigenen Leben im Lager, von der Angst vor den Deportationen und davon, wie sehr ihre Eltern versuchten, sie als Kind zu schützen. Währenddessen war es im Raum mit rund 150 Schülerinnen und Schülern so still, dass man sprichwörtlich eine Stecknadel hätte fallen hören können. Am Ende richtete sie einen eindringlichen Appell an uns: So etwas darf nie wieder passieren! Als „Zweitzeuginnen“ und „Zweitzeugen“ tragen wir die Verantwortung, ihre Geschichte weiterzuerzählen und für Menschlichkeit, Respekt und Demokratie einzustehen. Dabei betonte sie auch: Wir als junge Menschen tragen keine Schuld an der Vergangenheit, aber haben Verantwortung für die Zukunft.
Zum Abschluss hatten die Klassen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die Eva Weyl offen und ausführlich beantwortete. Viele Schülerinnen und Schüler verließen das Gespräch nachdenklich. Ihre Erzählungen machten deutlich: Das sind keine bloßen Geschichten – es sind die Erfahrungen echter Menschen. Nach der Befreiung sprach Eva Weyl zunächst nicht über das Erlebte, weil in ihrem Umfeld ebenfalls geschwiegen wurde. Heute sieht sie es als ihre Aufgabe, ihre Geschichte weiterzutragen – damit sie nie vergessen wird.

Text: Daniel Schirra, Jule Braems (10c)

Fotos: Julian Spitzer (Q1)

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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